Erdbeeren

Das Jahr der kleinen Roten

Das Oldenburger Münsterland gilt als das größte Anbaugebiet Niedersachsens, wenn es um Erdbeeren geht. Exemplare „wie aus dem Bilderbuch" gibt es auf dem Erdbeerhof Osterloh in Visbek. Dafür will aber einiges beachtet werden. Und wer hätte gedacht, wie viele verschiedene Möglichkeiten es gibt, um die perfekte Erdbeere anzubauen?

Das Jahr beginnt auf dem Erdbeerhof schon im Februar – und in den Tunnelanlagen. Unter Foliendächern wachsen überwiegend dauerblühende Erdbeerpflanzen in Substratbehältern. Die Fläche dafür beträgt ganze elf Hektar! Gepflückt wird hier von Mai bis Ende Oktober. Aber nicht nur die Tunnel, auch das Gewächshaus und natürlich die Felder sind die Wiege der Osterloher Beeren.

Im Gewächshaus werden die Erdbeeren Anfang August gepflanzt und im Herbst geerntet. Danach wird das gläserne Gebäude kaltgestellt und Ende Januar aufs Neue beheizt. „Das hat den Effekt, dass wir eine zweite Ernte im Frühjahr verbuchen", erklärt Betriebsleiter Ulrich Osterloh. „Spannend ist es, wenn die Erdbeeren im Freiland an den Start gehen. Hier setzen wir im März sogenannte Frigo-Pflanzen. Sie stammen aus einem Mutterbeet, das im März aufgepflanzt wurde und über das Jahr Ausläufer gebildet hat. Diese roden wir dann von November bis Dezember und lagern sie im Kühlhaus bei minus 1,5 Grad ein." Die Besonderheit dieser Jungpflanzen ist, dass sie nach ihrem künstlichen Winterschlaf durch das Auftauen und Aufpflanzen bereits nach acht Wochen erntebereit sind.

„Wenn wir die Rückmeldung bekommen, dass unsere Erdbeeren nahezu unecht aussehen, freut uns das sehr."
Ulrich Osterloh

Über das gesamte Erdbeerjahr gesehen, beschäftigt die Familie Osterloh bis zu tausend Mitarbeiter. Meist sind es Studierende aus dem Ausland, die sich in ihren Semesterferien in Deutschland etwas dazuverdienen wollen. Nach dem Pflücken werden die Erdbeeren schnellgekühlt, auf einer Verwiegestraße auf Qualität und Quantität überprüft und anschließend etikettiert, kartoniert und palettiert. Der Vertrieb läuft ausschließlich über einen Großhändler, mit dem der Erdbeerhof Osterloh seit 35 Jahren kooperiert. Damit die Gesundheit der Böden erhalten bleibt, werden in einem Rotationssystem neben den Erdbeeren auch Getreide und Mais sowie eine intensive Zwischenfrucht angebaut.

Aber welche Erdbeeren sind denn nun am leckersten? Ulrich Osterloh findet: „Die besten kommen aus geschütztem Anbau, denn hier können wir alle Faktoren beeinflussen, die zur Qualität der Frucht beitragen." Da erreicht die Familie Osterloh nicht selten überschwängliches Lob für ihre Bilderbuch-Erdbeeren. Und wer jetzt glaubt, dass unter Folie gezogene Beeren künstlich oder nicht nachhaltig sind, der irrt. Die Kunststoffdächer werden alle sechs bis zehn Jahre ausgetauscht und sind vollständig recycelbar. „Zudem sind unsere Tunnel seit vier Jahren zu 100 Prozent insektizidfrei", verkündet Ulrich Osterloh stolz. Stattdessen arbeitet er ausschließlich mit Nützlingen, die aus den Niederlanden und England bezogen werden.